Ausgabe 03/2020

motorist 0320Ausgabe 03/2020 Inhaltsverzeichnis

Was tut sich in der Branche 

Es läuft gar nicht so schlecht

Das Corona-Virus hat Vieles, das wir gewohnt waren, verändert und so manchen Be- trieb kräftig durcheinandergewirbelt. Wie schon im ÖMM 2-2020 haben wir uns auch in dieser Ausgabe bei Vertretern von Industrie und Fachhandel umgehört, wie sie die letzten Monate gemeistert haben und wie sie die Zukunft einschätzen.

Produkte im Marktsegment Consumer-Geräte wurden auch in den letzten Monaten gut verkauft. Prochaska spielt mit dem TORO-Programm auch stark in der Profi-Liga. Wie lief es bei Prochaska in den letzten Monaten und wie schätzen Sie die Lage für die nächste Zeit ein?

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Mag. Andreas Heger, Geschäftsführer Prochaska Handels GmbH.

Bis Ende Mai waren wir trotz COVID-19 besser, als zu Ausbruch der Pandemie er- wartet; der Juni war aber erstmals ein Monat deutlich hinter Vorjahr. Die gute Geschäftslage bis Mai wurde auch durch die Aus-lieferung und Abrechnung von bereits vorhandenen Bestellungen begünstigt. Wir sehen die nächste Zeit differenziert. Im Consumer Bereich sehen wir weiterhin großes Wachstumspotential in den Segmenten Akkugeräte und Beregnung. Akkugeräte für Privatgartenbesitzer und Profis sind heute die Wachstumstreiber. Im Bereich Akkugeräte haben wir Ende Oktober 2019 einen exklusiven Distributionsvertrag für die Marken CRAMER und GREENWORKS abgeschlossen und wir sind überzeugt, dass wir hier das Potential für die Nummer 1 oder 2 am Markt haben. Die Produkte von 24 bis 82 Volt haben hervorragende Qualität und ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. Es macht längerfristig keinen Sinn für den Endkonsumenten, einen höheren Preis an einen Markeninhaber zu bezahlen, der diese Produkte selbst in China für sich produzieren lässt. Hier spielt die Zeit mit steigender Bekanntheit für unsere beiden Marken CRAMER und GREENWORKS. Auch die Mähroboter von CRAMER werden uns aufgrund Ihrer hervorragenden Qualität und Zuverlässigkeit viel Freude machen. In Kombination mit den Rasenmähern, Zeroturns, Akkugeräten und Schneefräsen von TORO haben wir insgesamt ein tolles Programm, das durch die TORO Beregnung noch perfekt abgerundet wird.

Schwieriger sehen wir den Profi Bereich in der nächsten Zeit. Es werden sicherlich viele Investitionen verschoben werden. Wir haben schon jetzt hohe Marktanteile mit TORO, die wir teilweise nur mehr schwer ausbauen können und ich erwarte deshalb, dass uns das treffen wird. Wir hoffen, dass wir das durch eine Verlagerung von Fangsystemen auf Mulchsysteme kompensieren können. Die weltweit führenden Staaten bei der Rasenpflege wie USA und England mulchen mit breiteren Schnittbreiten und höherer Mähfrequenz; dieser Trend setzt sich in Österreich bis dato erst sehr langsam durch, wobei er durch die Mähroboter einen gewissen Rückenwind erhalten hat.

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Cocooning ist der neue Trend, Urlaub ist vielfach abgesagt, die Leute investieren in ihren eigenen Garten. Wie sehr hat sich dieser Trend auf Ihr Geschäft ausgewirkt?

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Markus Dulle, EMBA, 3e-Vorstand

Der Trend zum Cocooning zeichnete sich bereits während des Shut-Downs ab, denn während der vierwöchigen verordneten Geschäftsschließungen erreichten die Bestellungen im LET’S DOIT Onlineshop noch nie dagewesene Dimensionen. In dieser Zeit konnten wir auch neue Kundengruppen gewinnen, die den Webshop bislang noch nicht genutzt haben. Mittlerweile haben sich die Bestellungen wieder auf einem etwas niedrigeren Niveau eingependelt. Die Konsumenten haben jedoch die Convenience des digitalen Angebots kennengelernt, sodass die Onlineumsätze bereits einen erfreulichen Beitrag zum Gesamtergebnis liefern.

Der stationäre Handel ist aber weiterhin das Herzstück von LET’S DOIT, wie Kundenfrequenz und Umsatzentwicklung deutlich zeigen: Für den Garten wurden in den vergangenen Wochen überdurchschnittlich viele Griller, Rasenroboter, Rasenmäher (vorwiegend Akku-betriebene) und sämtliches Zubehör für den Pool angeschafft und die Nachfrage zu diesen Produkten hält konstant an. Derzeit besteht eine der größten Herausforderungen darin, für ausreichend Ware zu sorgen, da es fallweise zu Lieferverzögerungen kommt oder die Produkte sogar vereinzelt ausverkauft sind. Ebenso verzeichnen die LET’S DOIT Werkzeugfachmärkte eine sehr hohe Nachfrage bei Akkugeräten des Werkzeug- und Maschinenbereichs. Mit den Akkuwelten der neuen LET’S DOIT Stores 4.0 in Hartberg, Pfaffstätten und LET’S DOIT Roth in Waidhofen/Thaya sind wir somit mit dem Konzept genau am Punkt. Durch den modernen Auftritt gelingt es uns außerdem, vermehrt eine neue, junge Zielgruppe anzusprechen, die den Erlebniseinkauf vor Ort sucht, die Produkte in der Anpackzone gern selbst testet und die vielen digitalen Elemente am POS schätzt, weil sie den täglichen Umgang damit gewöhnt ist.

Trotz des erfreulichen Geschäftsverlaufs der vergangenen Wochen, wodurch die Umsätze der Dachmarke LET’S DOIT sogar leicht über den Vergleichswerten des Vorjahres liegen, ist die von COVID-19 ausgelöste Wirtschaftskrise aus meiner Sicht noch nicht überstanden: Die tatsächlichen Auswirkungen werden wir auch in unserer Branche erst im Herbst dieses Jahres bis hin zum Frühjahr 2021 kennen und vermutlich auch spüren. Daher freuen wir uns zwar im Augenblick über gute Umsätze, aber wir sind auch vorbereitet, sollte sich die Wirtschaftslage nochmals eintrüben.

Neben dem Verkauf von Motorgeräten ist die Firma Vonblon stark in Nischen-Segmenten wie Kabelverlegemaschinen und Winden, aber auch bei Quads und Schneeschlitten. Grundsätzlich gliedert sich Ihr Unternehmen in die Bereiche Forst & Garten, Portable Winch, Automower und Polaris. Wie läuft es derzeit in Vorarlberg?

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Gerold Vonblon, Geschäftsleitung Vonblon Maschinen GmbH, Nüziders/Vorarlberg

Corona – eigentlich kann ich das Wort nicht mehr hören!

Wir waren damals bei den ersten Firmen, die ein Risk-Management und die Aufteilung in 4 Gruppen erstellt haben. Die Verkaufsräume wurden geschlossen, aber wir hatten relativ schnell eine Variante gefunden, um die daheimgebliebenen und gartenarbeitshungrigen Kurzarbeiter“ zu bedienen. Der Arbeitsaufwand war deutlich höher, aber wir konnten die Anfragen recht gut meistern und vor allem die Rasenrobotertruppe war ständig bei Kunden. Natürlich mit Sicherheitsabstand und Masken, aber die Auftragskette ist nie abgebrochen. Ähnlich war die Situation im Bereich Großhandel mit Portable Winch Seilwinden und Kabelverlegemaschinen. Die Mannschaft war aufgeteilt, aber die Logistik ständig besetzt und die Aufträge wurden auch im Homeofficebereich eingefahren – also Kundenbetreuung rundherum. Dazwischen hatten wir Corona bedingt auch Quarantäne-Ausfälle und so durfte der Chef persönlich Fahrten übernehmen. Vor allem in den damaligen Risikogebieten im Ausland holte der Polaris Boss die Geräte nach der Wintersaison ab.

Leider wurde die Wintersaison Mitte März „abgewürgt“ und es mussten viele Geräte frühzeitig aus den Skigebieten abgeholt werden. Zwischenzeitlich hat sich die Situation gut entwickelt und die Hüttenwirte und Seilbahnen haben wieder Fahrt aufgenommen. Somit ist auch der Bereich Polaris mit Quads, SidebySide und Motorschlitten wieder voll auf Schub und von Lieferantenseite wird einwandfrei geliefert.

Rückblickend waren wir bis Anfang März auf Rekordkurs. Der Winter lief gut und das Frühjahr hätte gut und früh angefangen. Dann bremsten uns die auferlegten Sanktionen ein wenig ein. Bis Ende Juni holten wir zwar auf – ein Rekordjahr wird’s allerdings nicht mehr.

Der Arbeitseinsatz des gesamten Vonblon-Teams während der Krisenzeit und bei der „Aufholjagd“ danach ist beachtlich.

Vor Corona begannen wir mit einem riesigen Neubau. Ende 2019 wurde das neue Polaris Kundendienstcenter bezogen und im Frühjahr wollten wir die Eröffnung dazu feiern.
Die geplante Frühjahrsmesse und diverse Ausstellungen wurden abgesagt. Daher feilten Marketing und Verkauf gemeinsam an einer neuen Online-Präsenz und Vermarktungskonzepten, um vor allem den regionalen Kunden den Einkauf beim Fachhändler vor Ort schmackhaft zu machen. Mit den richtigen Marken und einer guten, serviceorientierten Mitarbeiterschaft lässt sich dies umsetzen. Persönliche Beratung, und wenn es nur am Telefon ist, macht den

Unterschied. Zügige Abwicklung (auch im Garantiefall), Zurverfügungstellung von Ersatzgeräten, ein Mietpark und das familiäre Auftreten tragen zur Abgrenzung von Diskontern und dem Internet bei. Ein Tipp: mehr Zeit für die eigenen Kunden – der Fremdkäufer muss warten. Wir Fachhändler müssen wieder anfangen uns deutlich abzugrenzen – wer sich beim Fachhändler „einkauft“, darf auf den besten Service vertrauen. Da kann man von verschiedenen Bereichen dazulernen – im Snowmobile und Quadsegment ist es gang und gäbe, dass man nur beim Partner seines Vertrauens kauft. Wer will schon bei einem Ausfall am Berg auf die Unterstützung verzichten?!.

In den letzten schwierigen Wochen und Monaten schien Kärnten eine Insel der Seligen zu sein, nicht nur was die Zahl der Ansteckungen, sondern auch die wirtschaftliche Lage in unserer Branche betrifft. Wie sehen Sie die Situation rückwirkend und was ist in nächster Zeit zu erwarten?

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Stefan Gailer, Geschäftsführer Gailer Landmaschinen, Forst & Gartencenter, Kötschach/Mauthen

Wir als Firma Gailer haben vom Anfang angesagt, wir gehen mit Augenmaß und Hausverstand an das Problem heran und haben uns entschlossen, die Vorgangsweise Tag für Tag neu zu bewerten.

Als systemrelevanter Betrieb (Landtechnik) waren wir nicht so sehr eingeschränkt und durften mit allen notwendigen Sicherheitsvorkehrungen relativ viel machen. Wir haben im Internet regelmäßig Produktinfos und Maschinen beworben und konnten uns über sehr viele telefonische und Online-Bestellungen freuen. Eine Maßnahme wie Kurzarbeit oder ähnliches wurde zu keinem Zeitpunkt angedacht.

Es ist uns gelungen den Umsatz in den schwierigen Monaten erheblich zu steigern. Des Weiteren haben wir die Zeit genutzt, unseren neuen Onlineshop aufzubauen, der in den nächsten Wochen online gehen wird.

Ich denke, dass viele unserer Kunden diese Zeit für die Verschönerung des Hauses und des Gartens genutzt haben und wir davon profitiert haben. (Geräte für Haus und Gar ten sowie Garagentore und automatische Einfahrtstore).
Alles in Allem ist das Vertrauen der Kunden in unsere Firma, als verlässlicher Partner auch in Krisenzeiten, stark gestiegen. Mit unserem tollen Team sehen wir sehr positiv in die Zukunft und sind sehr zuversichtlich, dass sich der neue Onlineshop sehr gut auf die Entwicklung von Maschinen Gailer auswirken wird.