Ausgabe 04/2020

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Wie gehen die Messen mit Absagen und Verschiebungen um

Messen quo vadis

Die letzten Monate waren für viele Unternehmen schwierig. Besonders hart hat es die Messeveranstalter getroffen, die ihre Veranstaltungen früher oder später doch absagen mussten. Wir fragten Stefan Lohrberg von der Koelnmesse und Rudolf Dietrich als Obmann des Club Landtechnik Österreich: Wie geht’s weiter?

Lange hatte die Koelnmesse an ihrem spoga+gafa Termin Anfang September 2020 festgehalten. Mitte Juli musste die Veranstaltung – Corona-bedingt – nun doch gecancelt werden. Jetzt gibt es mit dem neuen Termin 30. Mai bis 1. Juni 2021 ein neues Datum für das kommende Jahr. Herr Lohrberg, wie sehen Sie die aktuelle Situation und was erwartet potenzielle Besucher zur spoga+gafa 2021 Mitte des Jahres?

Stefan Lohrberg, Direktor spoga+gafa, Koelnmesse

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Der Wunsch, die Messe nach vorne zu ziehen, kam aus allen Hallen. So auch und insbesondere von unseren ausstellenden Anbietern von Gartengeräten und -häusern, Licht, Wasser und Pflanzen. Dasselbe gilt für die Grillhallen 7 & 8 und die Dekorationskunden aus der Halle 10.1. Einige Aussteller der spoga+gafa werden aber mindestens im ersten Jahr vor der Herausforderung stehen, ihre neuen Produkte im Mai/Juni bereits präsentationsfähig zu haben. Aber auch diese teilten im Vorfeld der Entscheidung mit, dass sie unbedingt gewillt sind, ihren Produktions- und Innovationszyklus an den neuen Termin der spoga+gafa anzugleichen. Der Vorteil, den Handel früher zu treffen, überwiegt die einmaligen Strapazen des Übergangsjahres, so deren Aussagen.

Wichtig ist hervorzuheben, dass der Mai /Juni-Termin im Jahr 2021 eine einmalig früh stattfindende Ausnahme bleiben soll. Das Gelände gab im ersten Jahr der Verschiebung keinen späteren Juni-Slot her. Ab 2022 soll die spoga+ gafa nachhaltig Mitte oder Ende Juni stattfinden. Etwaige Überschneidungen mit anderen Messen werden wir dabei, und dieses auch im Sinne der Motoristen, bestmöglich versuchen zu umgehen. Wir haben auf dem Weg hin zur Entscheidung und Kommunikation der dauerhaften Messeverlegung vieles richtig gemacht. Einen Vorwurf müssen wir uns und auch ich mir gefallen lassen. Wir hätten deutlicher aufzeigen müssen, dass der Mai, als erster Messetag im Jahr 2021, eine Ausnahme ist, und wir ab 2022 fest planen, die Messe Mitte oder Ende Juni stattfinden zu lassen. Ende Mai liegt für viele Besucher, insbesondere für den Fachhandel, teilweise noch in deren Saison. Wir sprachen im Vorfeld der Entscheidung mit Motoristen, Gartencentern, dem BBQ- oder dem Möbelfachhandel über die Chancen und Bedarfe des Junis und über die einmalige Ausnahme im Mai. Da es sich um eine Ausnahme handelt, gehen die Fachhändler den Weg mit und freuen sich, dass die spoga+gafa zukünftig später im Juni stattfinden wird. Mittlerweile haben unsere Aussteller diese Botschaft der Besucher ebenfalls vernommen. Die Branche darf sich somit darauf freuen, dass sich die spoga+gafa in den kommenden Jahren weiter zur weltweit spannendsten Kommunikations- und Mehrwertplattform der gesamten Grünen Gartenbranche entwickelt. In den letzten Jahren wurde die spoga+gafa mit aktuellen Handels- und Produktthemen aufgeladen, man denke nur an die Präsenz des Akku- und Smart-Themas in 2017 und 2018. Seit zwei Jahren wird die spoga+gafa mit jeweils einem Leitthema belegt. Nach „City Gardening, Gärtnern ohne Garten“, nehmen wir unser für 2020 geplantes Leitthema, „Sustainable Gardens, Nachhaltige Gärten“, mit ins kommende Jahr. Wir haben durch den einmaligen Messeausfall Zeit gewonnen, die Bedürfnisse der Branche, so zum Beispiel die der Motoristen, rund um dieses Thema noch besser zu bedienen und deren Messebesuch somit noch erfolgreicher und mehrwertstiftender zu machen.

Die spoga+gafa macht mit dem neuen Datum somit einen Schritt hin zu einem innerhalb des Beschaffungszyklus besseren Zeitpunkt. Der Schritt folgt dem in den letzten Jahren eingeleiteten Umbau der spoga+gafa hin zur weltweit wohl spannendsten Mehrwert- und Kommunikationsplattform der grünen Gartenlifestyle-Branche. Wir haben in den letzten Tagen von vielen Vertriebskolleginnen und -kollegen ein weltweit detailliertes Feedback erhalten. Die Reaktionen auf die Vorverlegung sind gut bis überschwänglich. Zieht man einen ehrlichen Strich unter alle Statements, so kann man sagen, dass die Entscheidung, die spoga+gafa in den Juni zu verlegen, somit absolut richtig war. So freuen wir uns z.B. sehr darüber, dass Aussteller, die in den letzten Jahren nicht mehr teilgenommen haben, aktiv auf uns zukommen und ihre neuen Flächen anfragen. Die spoga+gafa hat damit die Chance, abermals an Kraft und Größe zuzulegen. Die Branche wollte und will den früheren Termin. Jetzt ist er da und wird sich in den kommenden Jahren etablieren.

Die Messelandschaft steht Kopf: Messen werden abgesagt (Wieselburg), verschoben (Agraria Wels) – oder auch nicht (Agro Alpin Innsbruck). Der Club Landtechnik Austria, Vertreter der österreichischen Land- maschinen-Anbieter spricht sich generell gegen eine Veranstaltung der heurigen Agrarmessen aus. Herr Dietrich, wie wird es weitergehen?

Ing. Rudolf Dietrich, Sprecher des Club Landtechnik Austria

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Zuerst einmal warum steht die Messelandschaft Kopf?

Messen sind ein wichtiges Marketingtool, sie dienen als optimale Plattform für die Präsentation von Produktneuheiten. Die ausgestellten Objekte kann man dreidimensional betrachten und vor allem auch anfassen. Ebenso besteht die Möglichkeit zum Dialog und persönlichen Informationsaustausch.

All das kann man bei virtuellen Events nicht.

2020 ist durch Covid-19 alles anders. Die großen internationalen Messen wie SIMA in Paris, EIMA in Bologna sowie EUROTIER in Hannover haben sehr schnell nach dem Ausbruch der Covid-
19 Pandemie entschieden ihre Veranstaltungen vom November 2020 in den Februar 2021 zu verschieben. Dies war eine sehr kluge Entscheidung, die dem Hersteller die Unsicherheit über eine Abhaltung nahm und somit unnötige Planungs- und Vorbereitungskosten vermieyden wurden.

Ob die doch zeitlich sehr kurze Verschiebung in den Februar klug ist, wird sich noch zeigen. Dies war ein Schnellschuss, denn um ein Jahr verschieben war nicht möglich, da im November 2021 die AGRITECHNICA in Hannover stattfinden soll. Ich sage bewusst soll, denn gibt es bis dahin noch keine wirklich wirksamen Medikamente bzw. Impfstoffe gegen das Virus, dann sehe ich die Abhaltung dieser Messen problematisch. Wir sehen schon jetzt punktuell immer wieder Anstiege bei den Infektionszahlen. Nicht nur das es zu einzelnen Ländern Reisewarnungen gibt, sondern es haben auch viele Konzerne und Hersteller das Reisen auf ein Minimum reduziert.
Messeabsagen gab es auch national – Slowenien, Kroatien, Polen, Schweiz – und ebenso regional: siehe Karpfham oder Wieselburg. Die Agraria 2020 in Wels wurde sogar auf 2022 verlegt.

Die Messen Tulln und Wels haben gemeinsam mit dem Club LTA beschlossen den neuen Rhythmus für die österreichischen Landtechnik-Fachmessen wie folgt zu vereinbaren:
2022 – Agraria Wels 2024 – AustroAgrar Tulln 2026 – Agraria Wels 2028 – Austro Agrar Tulln
Mit diesen Vereinbarungen gibt es ein klares Bekenntnis zu den wichtigen Landtechnik-Fachmessen in Österreich und unterstreicht zugleich die Wichtigkeit von Fachmessen.

Wie sollte unter massiven Einschränkungen eine Messe professionell und informativ abgehalten werden?

Zu diesen Einschränkungen gehören unter anderem ein kontrollierter Ein- und Ausgang. Um einen geordneten Einlass zu gewähren, werden die Eingänge so gestaltet, dass ein Einbahnsystem unter Berücksichtigung der 1-Meter-Abstandsregel entsteht, und der Besucherstrom vom Ausgang entkoppelt ist. Bei all diesen Auflagen sind natürlich grundsätzlich die Abstandsregeln einzuhalten. Falls dies nicht möglich ist, muss ein Mund-Nasenschutz getragen werden.

Wie kann in der Praxis so ein Messebesuch aussehen?

Erfahrungsgemäß möchten viele den ganzen Messetag nützen und es kommt daher bereits am Morgen zu dichten Menschenansammlungen vom Parkplatz bis zu den Kassen. Aufgrund des geringen Abstands, müsste da bereits ein Mund-Nasenschutz getragen werden. Diese Besucherdichte setzt sich im Kassenbereich und später in den Ausstellungshallen fort – alles mit Maske. Am Messestand angelangt – das traditionelle Händeschütteln muss entfallen, will sich der Besucher oft in einem persönlichen Gespräch informieren. Maskenbedingt wird die Kommunikation zusehends anstrengender und unangenehmer. Will man nun z. B. einen Traktor von innen anschauen und sich das eine oder andere erklären lassen – reicht dazu der Abstand in der Kabine? Es geht weiter zum nächsten Messestand. Der zuständige Händler ist gerade nicht da, man soll später noch einmal vorbeikommen. Wie soll das bei einem Einbahnsystem funktionieren? Ob man da bis zum Ende des Rundganges alle geplanten Maschinen besichtigen kann? Zeit wäre vorhanden, aber werden die Einschränkungen es erlauben? Sieht so ein informationsreicher Messetag aus?

Nicht nur die Hersteller sehen eine Messe primär aus gesundheitlicher Sicht problematisch, auch ergab eine Umfrage bei Landwirten, dass 30-40 Prozent unter den jetzigen Gegebenheiten einer Messe fernbleiben. Gesundheit hat oberste Priorität, es wäre katastrophal, wenn durch das Abhalten von Messen das Virus in Produktionsbetriebe oder landwirtschaftliche Regionen verschleppt würde. Messen professionell und effektiv zu veranstalten macht nur Sinn, wenn eine gewisse Normalität nach erfolgreicher Covid 19 Bekämpfung in den Alltag zurückkehrt.