Ausgabe 05/2020

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Johannes Viertlmayr im Gespräch

Die Zukunft ist nicht mehr planbar

Auch an Husqvarna ist Covid 19 nicht spurlos vorbei gegangen. Telefonkonferenzen statt Meetings oder die erste digitale Händlertagung waren Zeichen dafür – und das Unternehmen hat noch nie so viele Automower verkauft, wie in der heurigen Saison. ÖMM-CR Hannelore Wachter-Sieg sprach mit Johannes Viertlmayr, Geschäftsführer von Husqvarna Österreich, über neue Herausforderungen, Lieferschwierigkeiten und eine nicht wirklich planbare Zukunft.

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ÖMM: Herr Viertlmayr, wie geht es Husqvarna und Gardena (das Unternehmen gehört seit 2007 zum Husqvarna-Konzern, Anm.d.Red.) in Österreich nach einer doch herausfordernden Gartensaison 2020?

Johannes Viertlmayr: Nach der Verkündung des Lockdowns waren wir, wie die meisten Menschen, erst einmal geschockt. Die ersten Tage waren sehr ruhig und man konnte nicht abschätzen, wie es weitergeht. Allerdings haben unsere Händler sich relativ rasch auf die neue Situation eingestellt und begonnen, wieder Geräte (kontaktlos) zu verkaufen. Der Bedarf war ja absolut da. Die Konsumenten waren zum Großteil zu Hause, konnten nicht auf Urlaub fahren und haben das Geld in den Garten investiert. Dazu kam noch ein weiterer Aspekt: Wir sind in unserer Branche teilweise mehr von den Witterungsverhältnissen abhängig als von der aktuellen wirtschaftlichen Lage. Und das Wetter war die ganze Saison über in ganz Österreich feucht und warm. Ideal für uns. Betreffend der Automower hatten wir den Vorteil, dass wir bereits am Anfang des Jahres bei Robotern eine Preisanpassung durchgeführt und dazu noch ein weiteres Modell im Einstiegssegment auf den Markt gebracht hatten. Das war natürlich noch ein zusätzlicher Anreiz.

ÖMM: Das Geschäft mit den Automowern war angeblich so gut, dass es zu Liefer-Engpässen gekommen ist. Wäre da noch mehr gegangen?

Viertlmayr: Ich muss leider zugeben, dass wir den Bedarf nicht ganz richtig eingeschätzt haben und dadurch nicht immer gleich liefern konnten. Wir hatten immerhin ein Plus im 2stelligen Prozentbereich gegenüber dem Vorjahr. Aber bei einem Marken-Produkt wie dem Automower, das sich der Kunde gezielt aussucht, ist er auch bereit, eine Zeitlang zu warten – anders als er es vielleicht bei einem einfachen Akkugerät, wie dem Trimmer machen würde.

ÖMM: Es waren ja alle Unternehmen in einer ähnlichen Situation, man wusste nicht, wie man die Lage einschätzen sollte.

Viertlmayr: Ja – und das gilt nach wie vor. Derzeit ist kaum etwas wirklich planbar. Wir wissen heute nicht, was in den nächsten Wochen passiert. Wir wissen nicht, obwir in einem Monat in der Firma arbeiten können oder von zu Hause. Wir wissen nicht ob, wie und wann unsere Lieferanten liefern können. Gerade die rechtzeitige Lieferung von Bauteilen ist in Zeiten der Globalisierung extrem schwierig. Hier wird sich die Frage stellen, ob man nicht verstärkt wieder Komponenten im eigenen Haus produziert, um unabhängiger von Lieferketten zu werden. Denn wenn eine Motorsäge 250 Teile hat und nur ein Teil nicht kommt, dann gibt es keine Motorsäge – darauf müssen wir noch mehr Rücksicht nehmen. Schlimmstenfalls haben wir tausende halbfertige Geräte im Lager und können nicht ausliefern.

ÖMM: Und was erwartet Husqvarna für das nächste Jahr?

Viertlmayr: Es wird mit Sicherheit kein normales Jahr werden. Corona wird uns auch 2021 beeinflussen. Das kann sogar positiv sein, wenn die Leute nicht reisen, sondern zu Hause bleiben und den Garten weiter aufrüsten. Da sind wir als Marke gefordert, denn Kunden sind heute wesentlich flexibler als vor wenigen Jahren und ändern extrem schnell ihre Meinung. Da gibt es Leute, die fahren seit dreißig Jahren Opel – und dann kaufen sie sich einen Mitsubishi. Das war früher nicht so. Oder nehmen wir unsere Branche: Früher wurden beliebte Motorsägenmodelle zehn Jahre lang verkauft. Jetzt musst du spätestens alle zwei bis drei Jahre neue Modelle bringen, sonst bist du weg vom Fenster. Und die Technik entwickelt sich rasant weiter: Denken wir nur an die neue Satelliten-Technologie. Da ist noch viel zu erwarten.

ÖMM: Husqvarna arbeitet daran, seine Handelspartner noch stärker als Dienstleister zu etablieren – und das eventuell auch zusätzlich zu honorieren.

Viertlmayr: Husqvarna probiert immer wieder neue Sachen aus – und dieses spezielle Programm „Gartencheck“, das Sie hier ansprechen, wird derzeit in Deutschland getestet und möglicherweise von Österreich übernommen – anfangs vor allem bei den Robotern. Der dahinter stehende Servicegedanke ist bei Husqvarna immer präsent. Ich kenne keine einzige Werkstätte, die heuer nicht ausgelastet ist. Denn prinzipiell möchten wir mit unseren Händlern gemeinsam ein Problemlöser für den Konsumenten sein: Er will einen schönen Rasen – und alles was er dafür tun muss, ist einen Roboter zu kaufen (oder in Zukunft auch zu leasen) und mit seinem Dienstleister/ Händler einen Wartungsvertrag abzuschließen. Alles andere läuft automatisch: Bei Problemen meldet sich der Roboter beim Händler, im Herbst wird der Roboter abgeholt, gereinigt, gewartet und im Frühjahr wieder auf den Rasen gestellt. Für die Zukunft ist auch ein Leasingmodell angedacht, bei dem der Konsument jedes Jahr ein neues Gerät erhält.

ÖMM: Der Fachbetrieb wird Dienstleister. Im Vertriebsbereich hat Husqvarna im letzten Jahr versucht, im Baumarkt neue Käufergruppen zu erschließen. Wie sieht es nach knapp zwei Jahren Versuchsprogramm aus?

Viertlmayr: Wir haben in diesen ersten Monaten extrem viel Erfahrung gesammelt. Wichtigster Punkt: Der Baumarktkunde ist anders als der Fachhandelskunde und entspricht eher dem Online-Klientel – sehr schnell entschlossen und spontan. Auch die Erwartungen an das Produkt sind völlig anders als beim Fachhändler. Diese Kunden suchen nicht die Perfektion am Produkt. Das ist einfach eine andere Preisklasse. Baumarktkunden erwarten vom Baumarkt keine Problemlösungen, dafür gehen sie zum Fachhändler. Das Produkt aus dem Baumarkt wird zu Hause aus der Schachtel genommen und muss funktionieren.

ÖMM: Das wird aber beim Roboter schwierig. Kann ich daraus schließen, dass Husqvarna keine Roboter mehr im Baumarkt anbieten wird?

Viertlmayr: Das Sortiment, das wir derzeit anbieten, braucht ein Mindestmaß an Beratung – und das ist im Baumarkt schwierig. Das müssen Produkte sein, die preislich attraktiv und einfach zu handhaben sind. Da ist der handgeführte Akkumäher wesentlich wichtiger als ein Roboter. Es geht auch um die Präsentation: Den Baumarktkunden interessiert die Präsentation nicht wirklich, da sind wir mit unseren aufwändigen Präsentationsflächen viel zu perfekt. Baumarktkunden erwarten nur ein bedingtes Einkaufserlebnis. Sie gehen in den Baumarkt, weil sie dort alles bekommen, vom Rasenmäher bis zum Geschirrspülmittel oder dem neuen Waschtisch. Wir überlegen jetzt gemeinsam mit unseren deutschen Kollegen, wie wir dieses Projekt weiterführen wollen. Derzeit gibt es aber noch keine Entscheidung, ob wir unsere Produkte auch in Zukunft und flächendeckend im Baumarkt anbieten werden.

ÖMM: Husqvarna hat bei Rasenmähern und Traktoren bisher stark auf die Motoren von Briggs & Stratton gesetzt. Bei den neuen Produkten für 2021 fällt auf, dass eine ganze Reihe von Geräten mit Motoren der in Asien produzierten Eigenmarke bestückt ist.

Viertlmayr: Grundsätzlich kann ich mir einen Markt ohne Briggs nicht vorstellen und wir werden auch immer wieder Motoren des amerikanischen Herstellers aufbauen. Wir hatten bei Briggs aber das Problem, dass die Motoren zwar auf unseren Geräten aufgebaut waren, wir aber nicht für die Ersatzteilversorgung zuständig waren. Die Händler haben bei uns die Ersatzteile für die Geräte bestellt, aber bei den Motoren mussten die Ersatzteile direkt bei Briggs besorgt werden. Das war kompliziert und hat oft zu Unmut geführt. Mit unseren Motoren können wir unsere Partner jetzt über unsere normale Ersatzteillogistik versorgen. Auch die Garantieabwicklung erfolgt in Österreich über uns.

ÖMM: Husqvarna ist ja nicht der erste Anbieter, der asiatische Motoren unter der Eigenmarke aufbaut. Wie haben die Händler reagiert?

Viertlmayr: Als die ersten Geräte mit dem Husqvarna Motor gekommen sind, war es manchem Händler sehr suspekt:
„Kein Briggs Motor – den kannst nicht verkaufen“, lauteten die entsprechenden Statements. Aber die Motoren funktionieren und der Vorteil der Ersatzteilversorgung ist enorm. Die Motoren werden auf Rasenmäher, Traktoren und Rider aufgebaut. Mittlerweile liegt der Anteil der Husqvarna-Motoren bei rund einem Drittel – vor allem im Rasenmäher-Bereich um die 5 PS.

ÖMM: Zweiter Punkt sind die neuen satellitengesteuerten EPOS Produkte, von denen es nach den im Vorjahr vorgestellten Großmaschinen jetzt auch Automower gibt. Ist kabelloses Mähen die Zukunft – und wie sieht das technisch und preislich aus?

Viertlmayr: Das ist eine spannende Geschichte. Derzeit kann man aber nicht davon ausgehen, dass Satelliten das Kabel ersetzen werden. Diese Technik ist noch sehr teuer und ein Kabel ist die sichere Variante, bei der die Fehlerquote sehr gering ist. Und es ist natürlich am günstigsten. Bei einem satellitengesteuerten Roboter kommen wir kaum unter 7.000 Euro – und das ist im Privatbereich doch ein stolzer Preis. Interessant ist diese Technologie auch erst ab einer Fläche von 50.000 bis 100.000 m².
Die Zukunft sehe ich aber woanders: Die EPOS-Technologie wird die Geräte mit Kabel unterstützen oder dort eingesetzt werden, wo das Verlegen eines Kabels schwierig ist: Etwa bei einem Risiko-Gelände oder bei Dachterrassen: Wenn darunter Stahlbeton ist, lässt sich das mit einem Kabel nicht so gut lösen, oder wenn der Roboter eine Straße überqueren muss
– da ist Satelliten-Navigation ideal.

ÖMM: Herr Viertlmayr, vielen Dank für das Gespräch und alles Gute!.