Ausgabe 04/2019

motorist 0319Ausgabe 04/2019 im Volltext

STIGA-CEO Georg Metz zieht sich nach zehn Jahren zurück

Vom Produktions- zum Markenkonzern

Zehn Jahre lang steuerte Georg Metz die Geschicke des italienischen Konzerns STIGA mit Sitz in Castelfranco durch ereignisreiche Zeiten. Unter seiner Leitung wurde aus Global Garden Products (GGP) der STIGA-Konzern, aus einer stark produktionsorientierten Firma ein innovatives markenorientiertes Unternehmen. In Österreich wurde mit der Gründung einer eigenen STIGA-Tochter Neuland betreten. ÖMM-CR Hannelore Wachter-Sieg sprach mit Georg Metz und dem österreichischen Geschäftsführer Michael Buchbauer über die letzten Jahre, neue Strukturen und kommende Pläne..

ÖMM: Herr Metz, Sie sind seit 2009 als CEO für den STIGA-Konzern verantwortlich. In dieser Zeit gab es nicht nur bei STIGA maßgebliche Veränderungen. Wie sehen Sie die letzten zehn Jahre?

04 19 01Metz: Strukturell hat sich die Gartenwelt vor allem in den letzten fünf Jahren verändert. Wirtschaftlich gesehen gab es den großen Schock aber bereits 2008/2009. Der Markt ging extrem zurück, in Europa von 6,5 auf 5,5 Millionen Einheiten bei Rasenpflegemaschinen und handgeführten Gartenmaschinen.

ÖMM: Worin lagen die Gründe für diesen Umbruch?

Metz: Im Wesentlichen waren die Verbraucher aufgrund der wirtschaftlichen Lage verunsichert, aber auch der Handel ging dazu über, weniger Geräte auf Lager zu legen. Der gesamte Markt wurde vorsichtiger. Seither nahmen die Verkaufszahlen bei Gartentechnik zwar leicht zu, allerdings hat der Markt nie wieder den Stand vor 2009 erreicht.

ÖMM: Wie ging es GGP in diesen Jahren?

Metz: Für uns war diese Situation letztlich ein Glücksumstand. Wir waren gezwungen, unsere Strukturen zu überdenken und unser Unternehmen auf eine neue Basis zu stellen. Der damalige Castelgarden/GGP-Konzern war stark produktionsgetrieben, der Markt selbst über Eigenmarken und Industriebelieferungen definiert. 2008/2009 fand man bei jeder zweiten Marke Traktoren von Castelgarden, egal unter welchem Brand und in welchem Design.
In dieser Zeit galt es vor allem Gesellschafter und Mitarbeiter an Bord zu halten, neue Konzernstrukturen zu entwerfen und in die Tat umzusetzen. Es ist viel Neues entstanden. Vor allem gab es die Vision, STIGA zur führenden Marke in der GGP-Gruppe und zu einem führenden Player am europäischen Markt zu machen. Das haben wir inzwischen auch erreicht.

ÖMM: Eine Zeitlang hatte man geglaubt, die Marke STIGA würde ganz vom Markt verschwinden.

Metz: Menschen die damals Geld auf STIGA gesetzt hätten, gab es nicht viele. Aber wir haben es geschafft. Wir hatten das Glück, schon damals einzigartige Mitarbeiter und Gesellschafter zu haben. Diese Leute, die damals ja noch in Italien und der Heimat von STIGA, Schweden saßen, haben verstanden, dass wir uns verändern müssen, um das Unternehmen zu retten. Wir sind unseren Weg gegangen – und waren erfolgreich.

04 19 02ÖMM: Auch die Österreicher haben auf Castelgarden und STIGA gesetzt.

Metz: : Wir waren bereits mit unserem Castelgarden-Importeur Zimmer sehr erfolgreich. Mit der österreichischen STIGA-Tochter, die wir vor fünf Jahren gegründet haben, gingen die Umsätze weiter nach oben. Unser Österreich-Team mit Michael Buchbauer an der Spitze verkörpert alles, was STIGA ausmacht: Das Bedürfnis, sich immer wieder zu erneuern, nicht zurücksondern nach vorne zu blicken. Wir stellen uns immer wieder Fragen, wie “was können wir anders und besser machen, wie können wir mit unseren Ressourcen, die immer kleiner sind, als die der großen Konzerne, trotzdem oder gerade deshalb agiler, frischer, fitter sein und schnellere Lösungen anbieten”.

ÖMM: Als wir uns Ende des letzten Jahres in Castelfranco trafen, sprachen Sie von einem schwierigen Jahr 2018, das zwar erfolgreich gemeistert wurde, in dem Sie aber trotzdem nur ein geringes Umsatzplus lukrieren konnten. Einer der Gründe dafür war die Wetterlage. Jetzt stehen wir am Ende des Sommer-Geschäftes mit extremen Wetterverhältnissen. Fast alle Hersteller von Gartentechnik sprechen wieder von einem schwierigen Jahr. Wie läuft es bei STIGA?

Metz: Die ganze Branche ist einfach von 2019 überrascht worden. Wir alle hatten gedacht, dass 2018 ein Ausnahmejahr gewesen wäre. Das war leider nicht der Fall. Zu der Trockenheit, die sich von 2018 gar nicht unterscheidet, kamen Faktoren, die wir alle noch nicht ausreichend verstehen. Das hat etwas mit neuer Technologie, mit verändertem Handelsverhalten, verändertem Verbraucherverhalten zu tun.

ÖMM: Können Sie diese Punkte näher beleuchten?

Metz: Ein Punkt ist, dass sich die Absatzlandschaft generell verändert und erweitert hat. Während der Fachhandel weitgehend konstant geblieben ist, sind die Großvertriebsformen derzeit auf der Suche nach ihrer Identität und neigen in diesem Zusammenhang zum Diskontieren. Und Diskonter wie Hofer, Lidl oder Aldi in Deutschland haben den Garten und ältere Menschen als Zielkunden erkannt und bieten heute statt des einzelnen Rasenmähers um 300 Euro komplette Sortimente an, die sich in Teilen kaum von denen eines Baumarkts unterscheiden.
Die heutigen Diskonter machen das, was früher ein Lebensmittelkonzern wie Carrefour in Frankreich gemacht hat. Carrefour hatte immer ein spezielles Sommer-Garten-Sortiment. Das waren die Bestseller in der Einstiegspreisklasse und vielleicht ein Produkt aus der mittleren Preisklasse, also attraktive Schnelldreher. Während die Food-Bereiche aus dem Sortiment ausgestiegen sind, haben sich die Diskonter auf diesen Bereich gestürzt.
Damit ist der Fokus auf Einstiegspreis-nahe Produkte so breit wie noch nie – auch gestützt durch 18 Volt und 20 Volt Batterieprodukte, die in kleinen Gärten einen guten Job tun.
Diese lassen sich auch sehr einfach anbieten, präsentieren und werden gerne von Einstiegskunden gekauft. Diese Kunden später dann emotional abzuholen ist die Chance des kompetenten Fachhandels. Aber das Mengen- und Preisverhältnis hat sich massiv verschoben. Die Menge ist stärker in diesen Einstiegskanälen, während der Wert sich stabil und positiv entwickelt und im Fachhandel bleibt.

ÖMM: Welche Rolle spielt e-commerce?

Metz: Auch hier gibt es zwei Bereiche: Einerseits die Fachanbieter, die ein breites Sortiment von Markenprodukten anbieten und andererseits Marktplätze wie Amazon, die wie Diskonter und Baumärkte, die Einstiegspreisklassen abbilden, dabei aber mit einer Agilität auf Marktveränderungen reagieren, die einzigartig ist. Während im Bereich Baumarkt und Diskont der Einkauf mit langem Vorlauf entscheidet, was die Kunden vermutlich benötigen ist das Internet völlig offen in Richtung Verbrauchsentwicklung und damit flexibel.

ÖMM: Wie stark sind Ihre Marken in den Vertriebskanälen positioniert?

04 19 03Metz: Bei STIGA ist das sehr einfach. Nahezu zwei Drittel des STIGA-Umsatzes gehen über den Fachhandel, in einzelnen Ländern sind es bis zu achtzig Prozent.
Darüber hinaus sind wir mit STIGA in ausgewählten Großvertriebsformen vertreten. Dort, wo der Trend zum Diskontieren geht finden Sie allerdings kein STIGA-Gerät. Auch im Internet sind wir mit STIGA sehr selektiv vertreten. Selektiv in dem Sinne, dass wir die Händler, die auch ein Angebot im Internet haben wollen, gerne unterstützen. Aber wir versuchen, inkompetentes Anbieten beratungsintensiver Produkte zu vermeiden, um auch die Endkunden davor zu schützen, schlecht eingewiesene, nicht montierte Produkte in die Hand zu bekommen.
Ein Akku-Rasenmäher oder eine Heckenschere ist nicht besonders erklärungsbedürftig, aber ein Frontmulcher im e-commerce, ohne die notwendige Einweisung, Service, Transport, Wartung kann nicht gehen. Da muss ein Betrieb dahinterstehen, der das versteht und kann. Dann wird der Kunde auch selten das Internet zum Kauf nutzen. Sondern er nutzt es nur, um sich zu informieren.
Bei Alpina sieht das ganz anders aus. In Italien sind wir zum Beispiel Marktführer im Bereich Internet oder anderen Vertriebsformen wie Diskontern oder Baumärkten. Aber das sind andere Sortimente. Unser Wunsch ist es allerdings, mit diesem Einstiegssegment unter der Marke Alpina den Kunden letztlich zum Fachhandel und zu STIGA zu bringen.

ÖMM: Alpina ist die Einstiegsmarke für STIGA?!

Metz: Sechzig Prozent der verkauften Geräte finden Sie heute im Preiseinstieg. Bei bestimmten Geräten sind diese Werte noch höher. Ohne eine Einstiegsmarke wie Alpina könnte auch STIGA nicht wirklich leben.

ÖMM: Da spielt es doch sicher auch eine Rolle, dass Alpina gerade bei Akku- und Elektrogeräten stark ist.

Metz: Wenn man sich den Markt in diesem Jahr anschaut, dann sehen wir den Effekt, dass gerade batteriebetriebene Einstiegsprodukte wunderbar laufen. Dass aber z.B. hochpreisige Rasenmäher seit zwei Jahren außerordentlich schwer zu verkaufen sind.

ÖMM: Liegt es nicht daran, dass immer mehr Gartenbesitzer auf Roboter setzen?

Metz: Gar keine Frage! Der Roboter kannibalisiert in erster Linie den Rasenmäher. Und Fakt ist natürlich: Wenn jemand bereit ist mehr als tausend Euro für einen Rasenmäher auszugeben hat er eine anspruchsvolle Erwartungshaltung und ist ein idealer Roboter-Kunde.
Niemand weiß allerdings, wie viele dieser Einbrüche, die wir in dem Segment sehen, kommen jetzt von Robotern oder von hochattraktiven Angeboten für geringeres Geld. Für den Endkunden ist es schwierig zu sehen, warum ein Rasenmäher um 999 Euro so viel schlechter sein soll, als ein Rasenmäher um 1.399 Euro.
Buchbauer: In Österreich machen wir deutlich über neunzig Prozent unseres Umsatzes über alle Marken mit dem Fachhandel und gehen nur mit bestimmten Produkten in die Fläche.
Der STIGA-Kunde erwartet sich von seinem Händler und seiner Lieblingsmarke einen gewissen nachvollziehbaren Qualitätslevel über alle Produktgruppen, egal ob Benzin, Akku oder Elektro. Die Einladung an unsere Händler ist immer wieder: Bietet euren Kunden ein Gesamtsortiment an und zwingt sie nicht bei Standardartikeln wie z.B. einer ElektroKettensäge diese im e-commerce oder beim Baumarkt oder wo auch immer zu kaufen.

ÖMM: Bleiben wir bei Fachhandel und Großfläche. In den letzten Jahren war STIGA als ausschließliche Fachhandelsmarke präsent, seit dem Vorjahr werden sogenannte Frequenzartikel wie gewisse Akkugeräte unter der Marke STIGA in der Großfläche verkauft. Eine Konzernentscheidung?

Metz: Markenpolitik ist Konzernpolitik – klar! Diese Entscheidung kam aus einem inneren Konflikt heraus. Marke heißt: ich bin bekannt beim Endkunden – und manchmal läuft diese Bekanntheit auch über den Baumarkt.

ÖMM: Das klingt ein bisschen nach Wunschdenken.

Metz: Auch Wunschdenken – aber es findet statt. Der Händler wünscht sich, dass der Kunde wohl informiert, sehr gerne eine bestimmte Marke, ein bestimmtes Produkt nachfragt, sich von ihm dann ein höherwertiges Gerät empfehlen lässt, mit dem er dann glücklich nach Hause geht. Dazu muss er aber die Marke kennen. D.h. Hidden Champions gibt’s im B2B-Bereich aber nicht im Consumer Umfeld. Damit eine Marke bekannt wird, muss sie aber verfügbar sein. Ein Markenprodukt, das ich in einem Umkreis von hundert Kilometern suchen muss und das keiner kennt, wird schwer erfolgreich sein. Dazu braucht es auch Eskalierungs-Effekte. Man muss viel vom Gleichen produzieren, um eine wettbewerbsfähige Kostenstruktur zu haben. D.h. wir haben zu lösen: den Schutz des Fachhändlers in seinem notwendigen betrieblichen Interesse und unser hohes Interesse, dass er erfolgreich ist. Auf der anderen Seite muss man auch in der Menge ein führendes Unternehmen sein, um gute Batteriezellenpreise, Motorenpreise, usw. zu erzielen, die ein wettbewerbsfähiges Produkt überhaupt erst ermöglichen. Diesen Zielkonflikt muss man lösen.
Dazu kommt, dass viele Fachhandelspartner noch nicht ausreichend verstanden haben, dass auch ein 200 Euro Akkugerät, auf längere Sicht gesehen, ein wunderbares Geschäft ist. Dann nämlich, wenn der Kunde zufrieden ist und auch weiterhin auf das System Akku setzt.

ÖMM: Üben Sie damit nicht doch einen gewissen Druck auf den Fachhandel aus, wenn Sie bei „Nichtfunktionieren“ des Händlers in die Großfläche gehen?

Metz: Ich würde das nicht als Druck bezeichnen, sondern als Notwendigkeit. Unsere Aufgabe ist es, die Marke STIGA zu entwickeln. Wir sind mit STIGA heute einer der drei führenden Anbieter in Europa. Ich kann aber nur führend sein, wenn ich viel verkaufe.
Wenn ein Fachhändler unser Angebot nicht in der Breite nutzen will oder kann, dann haben wir zwei Möglichkeiten. Wir machen im fehlenden Segment gar kein Angebot und werden nie die Wettbewerbsfähigkeit erreichen, die wir wollen und brauchen. Oder wir sagen, na gut, der Letztentscheider ist der Endkunde. Wenn der Endkunde bei diesem Händler, in dieser Stadt, STIGA nicht finden kann, müssen wir andere kompetente Vertriebspartner finden. Kein Unternehmen will es dem Kunden schwer machen, sein Produkt zu kaufen.

Buchbauer: In Österreich haben wir das System der Premium-Händler mit Premium-Partnerschaft entwickelt. Das gibt es nur in Österreich. Mit einem win-win-Verhältnis für Endverbraucher und den Handel. Steht der Handel als Premium-Partner hinter STIGA, hat er eine Reihe von Vorteilen: Wir unterstützen ihn bei der Schauraumgestaltung und Sortimentspräsentation, bei Werbung oder Vorführungen – auch natürlich mit verbesserten Konditionen. Was allerdings auch gesagt werden muss: Der Handel und die Anforderungen an die Händler verändern sich. Ehemalige Baumärkte bieten heute schon Werkstätten und geschulte Mitarbeiter an und gehen damit vor allem in den Ballungsräumen in direkte Konkurrenz zum Fachhandel.

ÖMM: Konkret! Gibt es ein bestimmtes Sortiment an Geräten für den Baumarkt?

Buchbauer: Ja, das sind kleine Akkugeräte wie unser Multi Mate oder die Linie der 24 V-Akkugeräte! Premiumgeräte werden Sie nicht im Baumarkt finden.

Metz: Es gab so viele Ansätze, in Baumärkten hochpreisige Traktoren oder Rasenmäher anzubieten. Das ist alles gescheitert. Nach zwei Jahren war der ganze Zauber oft vorbei. Man muss aber auch sagen, dass Österreich so marken- und fachhandels-affin wie kein anderes Land in Europa ist. Das ist wunderbar, auch für STIGA. Ich bin ja schon eine Weile in der Branche und sehe schon die nächste Generation an Fachhändlern, die Töchter und Söhne der Geschäftsgründer, die das Geschäft übernehmen oder eine Filiale eröffnen. Wir sehen, dass sich auch Motoristen schon teilweise spezialisieren. Das Problem ist vielmehr, bin ich als Motorist bereit mich bedingungs- und willenlos in die Hände einer führenden Marke zu begeben. Das ist für uns das viel spannendere und aktuellere Thema. Weil eben vermeintlich führende Marken doch einen ungeheuerlichen Druck – einen Druck von dem ich nicht sicher bin, ob es immer im Rahmen eines fairen Wettbewerbs stattfindet – auf die Händler ausüben, sich vollständig auf diese Sortimente zu konzentrieren.

ÖMM: Trotzdem versucht auch STIGA, die Händler ins Boot zu holen und mit einem Vollsortiment zu versorgen – siehe die erwähnten Premium-Partner in Österreich.

Metz: Wir knebeln unsere Händler aber nicht mit Verträgen und werden niemals
die Freiheit des Unternehmers einschränken: Wenn es einem Partner mit STIGA nicht mehr gut geht, dann finden wir eine Lösung, auch wenn das heißt, Lagerbestände zu übernehmen. Aber natürlich sind wir froh, wenn sich Händler massiv zu STIGA bekennen. Denn wenn die Händler nicht hinter der Marke stehen, dann können auch wir nicht lange erfolgreich sein.

Buchbauer: Selbstverständlich sind wir von unseren Produkten überzeugt. Wir glauben, dass STIGA in vielen Bereichen technisch, preislich und qualitativ eine optimale Lösung darstellt. Den Unterschied zu anderen Unternehmen sehe ich vor allem in unserer Begeisterung für die Marke – und mit dieser Begeisterung wollen wir auch unsere Händler anstecken. Wir sind glücklich, wenn unsere Händler das Gesamtporfolio abdecken, vom Hochdruckreiniger über Rasenpflegegeräte bis zur Kehrmaschine. Aber es ist unsere gemeinsame Aufgabe, die Begeisterung aus freien Stücken ohne Druck zu schaffen. Das gelingt uns in Österreich auch sehr gut. Wir sind neben der Premium-Marke STIGA, auch mit den Heckauswurf-Traktoren von CASTELGARDEN und immer mehr auch mit der jungen Marke ALPINA gut unterwegs.

ÖMM: Wir haben jetzt sehr viel über Strategie gesprochen. Herr Metz, wie sehen Ihr perfekter Händler und ihr perfekter Konsument aus?

Metz: Ich fange mit dem perfekten Konsumenten an, denn der ist derjenige, dem unsere Produkte in erster Linie gefallen müssen. Der perfekte Konsument liebt seinen Garten, weil er für ihn der leichteste und verlässlichste Freiraum ist, in dem er sich kreativ bewegen kann und seine Freizeit, irgendwann dann auch seinen Ruhestand so leben kann, wie es ihm gefällt. Er muss damit kein bestimmtes Geschlecht, kein bestimmtes Alter, kein bestimmtes Einkommen haben. STIGA Produkte gibt es von hundert bis 30.000 Euro.
Unser perfekter Händler ist jemand, der die Begeisterung unseres Teams für STIGA-Maschinen teilt. Ich kann Ihnen da ein Beispiel geben: Wir hatten im Sommer ein Händlertreffen, bei dem wir auch unsere Hochdruckreiniger lancierten, für eine Reihe von Händlern die Chance, auch trockene Zeiten zu überbrücken. Das sind jene Partner, mit denen wir über die zukünftige Unternehmensentwicklung reden möchten, und die keine Angst vor Veränderung haben.

Buchbauer: In Österreich haben wir das Glück, mit vielen dieser „perfekten“ Händler zusammenarbeiten zu dürfen. Unsere Aufgabe sehe ich momentan darin, unsere Händler, die Marke und die Menschen, die die Marke machen, zusammen zu führen. Ein Beispiel: Wir präsentieren im Oktober die Produkte für 2020 im STIGA-Werk in Castelfranco. Dort sind neben unseren Händlern auch sämtliche Produkt- und Marketingmanager, sowie Entwicklungsingenieure vor Ort. Wir glauben, dass der Händler das Herz der Marke spüren soll. Ich glaube genauso, dass meine Kollegen hier, die viel Zeit im Labor, in der Forschung und Entwicklung, im Büro des Marketings verbringen, hören sollen, welche Anforderungen der Händler hat. Wenn wir diesen Weg gemeinsam gehen, haben wir den Händler, der die Marke mitformt und damit setzen wir einen weiteren wesentlichen Baustein auf dem Weg zum optimalen Produkt für begeisterte Kunden.

ÖMM: Gehen wir von der Philosophie weg zu den Geräten. Sie setzen, wie auch die meisten anderen Hersteller, stark auf Akku-Geräte, bieten aber auch eine Reihe von Benzingeräten an. Ich denke da an den neuen Benzin-Zero Turn aber auch die 500er Serie im Bereich Akku. Wie stark werden sich die Segmente entwickeln?

Metz: Auch in den nächsten Jahren werden wir ohne Benzingeräte nicht auskommen. Die Frage ist, mit welchen Quoten. Ich denke, dass 2023 der Schnittpunkt kommen wird, wo in Summe mehr Akkugeräte als Benziner auf dem Markt sein werden. Bei den großen Geräten wie Traktoren, Frontmäher usw. liegt es immer an der Leistungsklasse. Bei hochleistungsfähigen Akkus mit 10 bis 20 KW sind wir schon im Bereich „Stadtwagen“. Das wird lange dauern.
Es geht natürlich auch immer um das Einsatzgebiet. Akkugeräte sind überall dort ideal, wo Lautstärke relevant ist. Im Bereich der industriellen Anwendung ist der Einbau von Akkus auch bei größeren Geräten absehbar, da hier der Aufpreis für die Batterie-Technologie weniger kaufentscheidend ist, sondern die Firmen aus Imagegründen eine gute CO Bilanz aufzeigen wollen – inklusive eines 20 PS Traktors mit Akku.

Buchbauer: Ich denke, Benzinprodukte werden weiterhin ein relevanter Markt bleiben. Allerdings neigen Endverbraucher deutlich zu Akkugeräten. Mit stark steigender Tendenz. Um ein konkretes Beispiel zu nennen: Im 1. Quartal 2015, haben wir mit Akku-Rasenmähern einen Umsatz von exakt 2.444 Euro erzielt.

Metz: Da konnte man sich noch bei jedem Kunden einzeln bedanken und ihm gratulieren (lacht!).
Buchbauer: Richtig! Jetzt im 1. Quartal 2019 machen wir mit unseren Händlern gemeinsam weit mehr als eine Million Euro auf Basis des unverbindlich empfohlenen Verkaufspreises – mit Akku-Rasenmähern. Im gleichen Zeitraum haben sich aber auch die Benzin-Rasenmäher und die Autoclip Rasenroboter positiv entwickelt. Hier gibt es nicht ein entweder oder, sondern ein sowohl als auch – genau nach Kundenwunsch.

ÖMM: STIGA hat mit dem neuen Zero Turn und neuen Benzin-Traktoren das Sortiment wieder nach oben erweitert. Geht der Trend in höhere Leistungs- und Preisklassen?

Metz: Das ist eine fabelhafte Frage. Wir werden uns mit STIGA nicht im ruinösen Einstiegspreiskampf zerfleischen. Wir werden auch nicht dem folgen, was andere Großanbieter machen und die Marke mit aller Kraft nach unten ziehen. Wir haben noch so viele andere Geräte- und Technologie-Lösungen im heutigen Anwendungsbereich zu erarbeiten. Da haben wir genug zu tun. Es gibt keine kurzfristige Veränderung, aber es gibt natürlich Ideen und Wünsche - und da blicken wir nach oben und nicht nach unten. Das ist eine Frage des Anspruchs. Das ist nicht billig und wir können damit auch nicht mit einem 33 cm-Rasenmäher aus China konkurrieren. Aber das wollen wir auch nicht, soweit es STIGA betrifft. Bei Alpina ist das eine andere Welt. Aber das Herzstück der Gruppe ist STIGA.

ÖMM: Sie stellen Anfang Oktober die neuesten Produkte für 2020 vor. Wo liegen die Schwerpunkte?

Metz: Wir werden neue Produkte in allen Kernsegmenten anbieten. Vor allem das Akku-Rasenmäher-Segment wird stark weiterentwickelt werden. Wir sind Europas Nummer Eins bei Benzin-Rasenmähern, wir wollen auch die Nummer Eins bei Batterie-Rasenmähern sein. Es wird aber auch Fortschritte in den Bereichen Frontmulcher und neue Motoren geben. Wir haben aktuell das höchste Investment für Neuprodukte der letzten 30 Jahre.

ÖMM: Können Sie das in Zahlen fassen?

Metz: Die Investitionen liegen im mittleren zweistelligen Millionen-Bereich. Das ist für unsere Unternehmensgröße beachtlich. Die Investitionen betreffen vor allem die Themen Digitalisierung, bringen Batterie, elektrische Technologie und Mechanik in eine neue Welt zusammen. Da gibt es etwa systembedingte Chancen, die es umzusetzen gilt. Ein mechanischer Radantrieb am Benzin-Rasenmäher ist eine komplexe Geschichte und funktioniert nicht so feinfühlig, wie er sich beim Elektromotor realisieren lässt. Baugröße, Modularität – Elektrik und Elektronik eröffnet Möglichkeiten die mechanisch teilweise gar nicht abzubilden sind – oder mit Riesenaufwand. Das ergibt für die Zukunft vollkommen neue Preis-Leistungs-Angebote.

Buchbauer: Wir haben in den letzten Jahren eine komplett neue Range an Seitenauswurf-Traktoren mit und ohne Allrad und die neuen Zero Turns eingeführt und haben heute ein abgerundetes Sortiment im Bereich der Reinigungstechnik, vom Hochdruckreiniger und der Anbau-Kehrmaschine bis hin zur selbstfahrenden Kehrmaschine mit Benzinmotor. Für das nächste Jahr präsentieren wir im Oktober den ersten STIGA-Zweizylinder Motor für Rasentraktoren und Parks. Darüber hinaus bieten wir im nächsten Jahr erstmals ein Sortiment an Ride-ons und PARK Frontmulcher mit Honda Motoren an und ergänzen damit die Rasenmäher powered by Honda, welche wir seit einigen Jahren schon erfolgreich verkaufen.

ÖMM: Herr Metz, Ihr Nachfolger ist bereits seit Jänner in Castelfranco, Ihr letzter offizieller Arbeitstag der 31. August. Wird man Sie auch in Zukunft in der Gartenbranche antreffen?

Metz: Nicht sofort! Meine Lebensplanung sieht vor, mich mit den vielfältigen Themen im Bereich Marken- und Technologie-Entwicklung und Change-Management zu befassen und in diesem Rahmen in Projekten und beratend tätig zu sein. Für die kommenden Tage ist aber erst einmal aktives Nichtstun angesagt.

ÖMM: Herr Metz, vielen Dank für unser Gespräch und ich freue mich auf ein Wiedersehen!


04 19 04STIGA wurde 1934 in Schweden gegründet. Im Jahr 2000 wurde das Unternehmen in die Global Garden Group (GGP) mit Sitz in Castelfranco in Italien integriert und 2017 in die STIGA Group umbenannt. Die Gruppe umfasst nunmehr die globale Marke STIGA und die lokalen Marken Alpina, Mountfield, ATCO und Castelgarden. Nach eigenen Angaben hat die Firma Niederlassungen in 12 Ländern, darunter seit 2016 auch eine eigene Tochter in Österreich, sowie Produktionsstätten in drei Ländern (zwei Werke in Italien, je eines in der Slowakei und in China) und verkauft mehr als eine Million Produkte in mehr als siebzig Länder. Derzeit beschäftigt die STIGA Group 1.700 Mitarbeiter, davon rund 700 in Italien. 2018 konnte das Unternehmen einen Umsatz von mehr als 400 Mio. Euro erwirtschaften.
STIGA produziert seine Geräte in drei Kompetenzzentren: In den italienischen Werken in Castelfranco und Campigo werden Traktoren, Geräteträger und Frontmäher hergestellt. In Poprad in der Slowakei werden seit 2006 Benzin, Elektro- und Akkumäher, im chinesischen Werk in Guangzhou seit 2008 Rasentraktoren produziert.
Insgesamt werden an die achtzig Prozent der Konzernmarken in Europa hergestellt.
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04 19 05Sean Robinson (Bild links) folgt Georg Metz Nach mehr als zehn sehr erfolgreichen Jahren als President und CEO der STIGA Gruppe, hat Georg Metz seine Aufgaben zum 2. September 2019 an seinen Nachfolger, Sean Robinson, weitergeben. Sean Robinson ist gebürEngländer und bereits seit dem 1. Jänner 2019 im Unternehmen. Dort verantwortete er bisher die Aufgabenbe- reiche Strategieentwicklung und als COO die operativen Funktionen einschließlich Entwicklung, Produktion und Einkauf. Sean Robinson bringt 04 19 06internationale Erfahrungen als COO und CEO aus seinen bisherigen Funktionen und Unterneh- men mit, zu denen unter anderen Bosch, Dyson und zuletzt Fisher Paykel (Haier Gruppe) gehörten.
Auch neu im Management der STIGA-Gruppe ist Fabrizio Ziantoni (Bild rechts) als neuer Gesamtverantwortlicher für Marketing und Vertrieb (CMO). Fabrizio Ziantoni war zuvor für die Händlerentwicklung innerhalb der Exxon/Mobil Gruppe (Esso) und zu- letzt für Vertrieb und Marketing in der Pirelli-Gruppe tätig.


5 Jahre STIGA Austria

Vor fünf Jahren, genau am 1. September 2014, wurde STIGA Österreich gegründet.

Bereits im darauffolgenden Jahr erzielte das Unternehmen einen Umsatz von zehn Millionen Euro, die laut Michael Buchbauer, Geschäftsführer der STIGA Tochter „in allen Geschäftsjahren bis 2019 übertroffen wurden.“

Der wichtigste Vertriebskanal in Österreich ist der Fachhandel. Etwa neunzig Prozent der STIGA-Geräte werden über Motoristen verkauft, sogenannte Frequenzartikel wie das Multi-Mate oder die Linie der 24 Volt Akkugeräte auch über Baumärkte mit geschultem Verkaufspersonal.

04 19 07Einzigartig im STIGA Konzern ist das österreichische Konzept der Premium-Partner, die eine Reihe von Vorteilen, darunter seit 2017 auch ein eigenes Shop Design und zusätzliche leistungsbezogene Komponenten, genießen.
Neben den Produkten der Marke STIGA (Rasenpflegegeräte, Reinigungsgeräte) sind auch die Traktoren der Marke CASTELGARDEN, die jahrelang Marktführer in diesem Bereich in Österreich waren, präsent.
ALPINA (feiert 2020 das 60 Jahr Jubiläum) gilt im Konzern als die junge, frische Baumarktlinie mit einfachen Qualitätslösungen.
Aber auch Eigenmarken stellt das Unternehmen nach wie vor her.

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