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Serie Teil 3: Trends bei Traktoren

Ein Blick ins Cockpit

Moderne Traktoren müssen nicht nur den strengen europäischen Vorgaben entsprechen, sondern auch in Hinsicht auf Komfort und Effizienz überzeugen, wie Dipl.-Ing. agr., Dipl.-Ing. Wirtsch., Executive MBA Roger J. Stirnimann, Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften, Zollikofen, in seinem Fachbericht zur Agritechnica, festhält. In Teil 1 in unserer letzten Ausgabe ging es um die Weiterentwicklungen bei Diesel-Motoren. In Teil 2 wurden alternative Brennstoffe vorgestellt, außerdem ging es um Innovationen bei Getrieben. Der dritte und letzte Teil der Serie widmet sich dem Thema Digitalisierung und Aspekten der Sicherheit.

Digitalisierung prägt Kabinenentwicklung

Getrieben durch die Digitalisierung präsentierten in den letzten Monaten viele Hersteller neue Baureihen, bei welchen die Neuerungen hauptsächlich im Bereich der Kabinen zu finden sind. Bedien- und Anzeigeterminals mit Touch-Screen-Funktion und zusätzlichen Schnellzugriffstasten oder Dreh-Drückstellern sollen das Zusammenspiel zwischen Traktor und Anbaugeräten verbessern und die Vernetzung mit dem Betriebsbüro erleichtern. Auftrags- und Felddaten (Feldgrenzen, Spurlinien, Applikationskarten usw.) lassen sich dadurch ortsunabhängig auf einem PC oder mobilen Endgerät vorbereiten und später auf dem Feld einfach abrufen. Die „Clicks“ in der Kabine lassen sich damit reduzieren und die Maschinen schneller einstellen. Teilweise stehen mehrere Terminals zur Verfügung, auf welche die Anzeigen beliebig verteilt werden können. Bei einigen Herstellern lassen sich diese auch auf handelsübliche Tablets übertragen (z.B. Deutz-Fahr XTEND). Zunehmend frei belegt werden können zudem die Tasten auf den Fahrhebeln, Armlehnen und zusätzlichen Joysticks. Fendt bietet das Bedienkonzept FendtOne auch für die Schmalspurtraktoren 200 V/F/P Vario an und integriert darin jetzt auch die Sitzeinstellung (inkl. Memory-Funktionen für unterschiedliche Fahrer und Fahrsituationen).

Die Armaturenbretter vor dem Lenkrad werden entweder „digitalisiert“ oder wandern komplett in die rechte A-Säule. Für die zweitgenannte Variante gibt es mit den neuen Baureihen Case IH Optum / Steyr Terrus / New Holland T7 HD, John Deere 6R, Massey Ferguson 8S und Valtra N/T gleich mehrere Beispiele. New Holland bietet für die Modelle T7 HD optional ein feststehendes, digitales Display im Lenkrad an. Auf Automobil-Niveau sind mittlerweile auch die Systeme für Audio und Mobiltelefonie, die elektronischen Diebstahlschutzsysteme für Kabinentüren und Zündschlösser sowie die integrierten Kamerasysteme. Größere Verbreitung erfuhren in den letzten Jahren die variablen Lenkübersetzungen, bei welchen die Anzahl der Lenkradumdrehungen für das Einschlagen der Vorderräder von einem „Anschlag“ zum anderen vom Fahrer bestimmt werden kann. Gefedert werden moderne Traktorkabinen mechanisch, hydropneumatischen oder rein pneumatisch. Diese Federungssysteme werden zur weiteren Komfortsteigerung zunehmend mit denjenigen für die Vorderachse und mit der Schwingungstilgung für das Heckhubwerk verknüpft.

Mit Sicherheit gut arbeiten

Das optimale Zusammenspiel von Traktor und Anbaugeräten/Anhängern kann zur Steigerung der Produktivität und Sicherheit beitragen. Die Hersteller bieten deshalb zahlreiche Assistenzsysteme und Automatikfunktionen an. Beispiele hierfür sind die Frontladersysteme „E-Loader“ und „Precision Lift&Load“ von Massey Ferguson resp. Valtra. Diese beinhalten Funktionen wie Positionsrückführung der Schwinge, Horizontalrückführung der Werkzeuge und „Schaufelschütteln“ sowie ein Wiegesystem. Basierend auf dem Assistenzsystem CEMOS bietet Claas neu eine direkte Anzeige für das Bodenverdichtungsrisiko unter aktuellen Einsatzbedingungen an. Zur Berechnung werden Parameter wie Bodenart/-zustand, dynamische Achslasten oder Reifendrücke mit Terranimo, einem europaweit anerkannten Simulationstool für Bodenbelastung und -tragfähigkeit verknüpft. Rot gefärbte Druckzwiebeln im CEBIS-Terminal weisen beispielweise auf ein hohes Verdichtungsrisiko hin und der Fahrer kann den geplanten Einsatz in diesem Falle abbrechen oder geeignete Gegenmaßnahmen ergreifen.

Zur Erhöhung der Sicherheit bei Transportarbeiten bieten mittlerweile mehrere Hersteller (Claas, CNH, Deutz-Fahr) automatische „Streckbremsen“ an. Damit soll ein allzu starkes Aufschieben der Anhänger auf den Traktor vermieden werden, wenn dieser nur über Motorschleppmoment und Getriebe verzögert wird (ohne Betätigung der Betriebsbremse). Über verschiedene Signale wird diese Situation erkannt, und das elektronisch geregelte Anhängersteuerventil gibt daraufhin automatisch pneumatische Drücke bis etwa zwei bar auf die Bremsleitung aus. Die Traktor-Anhänger-Gespanne werden dadurch „teilgestreckt“ und instabile Zustände lassen sich entschärfen.

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Laura Fürst

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